Direkt zur Gena 90
Direkt zur Gena Pro
Direkt zum Hybrideber Victor

Jungsaueneingliederung nach Maß

Nils Treseler

Viele Sauenbetriebe verfügen heutzutage nicht über ein festes Konzept bei der Jungsaueneingliederung. Dabei handelt es sich hierbei um die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft des Betriebes. Die Jungsauen von heute sind die Sauenherde von morgen.

Eine optimale Eingliederung erhöht die Leistungen der Jungsauen im ersten Wurf und in den darauf folgenden Würfen.

Die Eingliederung der Jungsauen sollte in zwei Phasen unterteilt werden:

Die erste Phase ist die Isolation der Jungsauen, damit sich diese an die neue Umgebung, das neue Futter und den neuen Betreuer gewöhnen können. In dieser Phase müssen die Jungsauen die konditionellen Voraussetzungen für die Erstbelegung erlangen, d.h. es muss ein spezielles Eingliederungsfutter gefüttert werden mit dem Ziel, bei den Tieren Rückenspeck aufzubauen. Der Rückenspeck der Jungsauen sollte von ca. 9 bis 12 mm auf 14 bis 16 mm erhöht werden. Dies geschieht durch ein energiereiches Futter mit 13,0 – 13,4 MJME bei gleichzeitig geringem Proteingehalt von 14,5% bis 15,0% und einem Energie : Lysin-Verhältnis von 1 : 0,55. Ebenfalls muss in dieser Phase der Mensch-Tier-Kontakt hergestellt werden, damit die Jungsauen später bei der Belegung keine Angst haben. Sinnvoll ist es, in dieser Phase die ersten Impfungen bei den Tieren durchzuführen. Diese erste Phase sollte 21 Tage dauern, so dass sie dem natürlichen Zyklus der Sau entspricht.

In der zweiten Phase kommt es zur Akklimatisierung der Jungsauen. Hierbei sollen die Jungsauen dosiert mit dem Keimmilieu des Sauenbestandes konfrontiert werden, damit sie eine eigene Immunität ausbilden können ohne den Altsauenbestand zu belasten. Dieses kann am besten durch Zustallen von Schlachtsauen in den Quarantänestall ab 21. Tag nach der Anlieferung der Jungsauen erreichet werden. In den nächsten 21 Tagen können sich die Jungsauen mit den Keimen in Ruhe auseinander setzen. Nach insgesamt 42 Tagen Quarantäne können die Jungsauen dann in das Deckzentrum gebracht werden.

Wichtig in allen Phasen ist die Beobachtung der Tiere und die Dokumentation der Rausche, damit man für die Belegung ein Gefühl für den optimalen Besamungszeitpunkt bekommt.

Wie wichtig diese Punkte sein können, zeigt im Folgenden ein Beispiel aus der Beratungspraxis von Nils Treseler, Produktionsberater bei JSR Hirschmann.

Die Saale Hof GbR ist eine 1.900er Sauenanlage in Sachsen-Anhalt, welche seit kurzem mit JSR Hirschmann Jungsauen beliefert wird. Die Familie Kruse aus Damme hat vor einiger Zeit die Entscheidung getroffen, den Sauenbestand auf JSR Hirschmann Genetik zu wechseln, um einen weiteren Leistungsfortschritt bei den Sauen zu erreichen und um die Ferkel besser vermarkten zu können. Die Saale Hof GbR mästet 15 - 20 % ihrer Ferkel selbst im niedersächsischen Damme. Der andere Teil wird über die VVG-Lüdinghausen vermarktet.

Paul Kruse hat das Angebot einer Eingliederungsberatung von JSR Hirschmann in Anspruch genommen, wobei zunächst einmal die konditionelle Entwicklung der Jungsauen ermittelt wurde. Dazu wurde die Rückenspeckdicke der Tiere eine Woche nach Anlieferung gemessen und dieses nach weiteren vier Wochen wiederholt. Ergebnis dieser Messungen war, dass die Jungsauen mit durchschnittlich 11,1 mm angeliefert wurden, wobei es sich bei den 120 Jungsauen um drei unterschiedliche Altersstufen handelte. Nach 4 Wochen betrug die Rückenspeckdicke 14,7 mm, was einen Zuwachs von fast 0,9 mm pro Woche entspricht und auf eine optimale Versorgung der Tiere schließen lässt.

Trotz dieser guten Rückenspeckwerte sollte das Duldungsverhalten der Jungsauen noch weiter verbessert werden. Die Jungsauen kamen nach Anlieferung in einen Eingliederungsstall mit 57 Kastenständen und 12 x 6er Gruppenbuchten. Dann wurden die rauschenden Jungsauen je nach Platzangebot in 8er Gruppenbuchten in einen Besamungsstall für Jungsauen gebracht. Dort wurden die Tiere in der Gruppe belegt, wobei ein Eber vor jeder Bucht fixiert wurde, so dass zwei Mitarbeiter die Jungsauen besamen konnten. Problem war jedoch, dass die Tiere trotz äußerlichen Rauscheerscheinungen nicht optimal „stehen“ wollten, was zu Schwierigkeiten bei der Besamung in den Gruppenbuchten führte.

Nach Erfassung aller relevanten Daten wie Futterration, Impfprogramm, Management der Jungsauen wurde das weitere Vorgehen zusammen mit Paul Kruse und dem Tierarzt diskutiert. Ziel war es, die Jungsauen noch intensiver zur Rausche zu stimulieren. Als erstes wurde die Eingliederung systematisch durchgeplant anhand des biologischen Zyklus der Sau. Das heißt alle Jungssauen im Eingliederungsstall wurden nach 21 Tagen (biologischer Zyklus der Sau) für 2 Tage einem Futterstress ausgesetzt, indem nur noch 50 bis 60% der normalen Ration gefüttert wurden. Des Weiteren wurde die ältere Gruppe danach in den Jungsauen-Belegungsstall umgestallt. Wichtig hierbei war, dass man die Gruppen so zusammenstallte, dass die Jungsauen, die vor ca. 16 Tagen die Transportrausche gezeigt hatten, in eine Bucht kamen. Dieses war daher wichtig, weil diese Tiere ca. 5 Tage nach Umstallung in die nächste Rausche kamen und dann innerhalb weniger Tage belegt werden konnten. Der „positive Stress“ (Umstallung, Futterentzug, Impfung, Eberkontakt) diente der Anregung des Hormonsystems der Jungsauen in die Rausche zu kommen. Nach Angaben von Wähner (1997) wirkt sich eine gezielte zootechnische (Kontakt zu Artgenossen, Ortswechsel und Bewegung, Fütterung und äußere Faktoren) Mehrfachstimulation positiv auf die Ovar- und Uterusgewichte der Jungsauen aus (siehe Abbildung).

Dieses wiederum unterstützt eine lange und intensive Rausche und steigert die Zahl der ovulierenden Follikel. Aufgrund technischer Begebenheiten wurde im Besamungsstall ad libitum mit NT-Futter gefüttert, was durch die vorherige Futterrestriktion wie eine Art „Flushing-Fütterung“ wirkt. Zusätzliche Stimulation wurde durch einen zweimal täglichen Eberkontakt hergestellt. Alle Rauschen wurden von einem Mitarbeiter dokumentiert, so dass man ein Gefühl für den optimalen Besamungszeitpunkt bei den Jungsauen bekommt. Rauschende Jungsauen wurden duldungsorientiert belegt.

Die mittlere Altersgruppe wurde im Eingliederungsstall aus den Gruppenbuchten in die freiwerdenden Kastenstände gestallt und die jüngste Altersgruppe wurde in andere Gruppenbuchten umgestallt. Nach Stimulation durch einen Sucheber wurde auch hier bei allen Tieren die Rausche dokumentiert. Danach wurden die Jungsauen in Ruhe gelassen. Nach weiteren 21 Tagen wiederholte sich das Programm, so dass nun die mittlere Altersstufe in den Besamungsstall gebracht wurde und die jüngsten Tiere in die Kastenstände kamen. Des Weiteren wurden die ältesten Jungsauen, die nicht belegt wurden, zurück in die Kastenstände im Eingliederungsstall gebracht und dort ad libitum mit dem speziellen Eingliederungsfutter gefüttert, um eine maximale Stimulation zur Rausche zu erreichen. Diese wurden dann dort duldungsorientiert belegt.

Zusätzlich wurde noch durch den Tierarzt das Impfprogramm zusammengefasst auf Impfungen direkt bei Ankunft und 21 Tage später. Zuvor wurden die Jungsauen fast wöchentlich einmal geimpft, was dazu führte, dass die Jungsauen ständig gestresst wurden und dadurch keine gezielte Rauschestimulation möglich war.

Nach Durchführung dieses Eingliederungsprogrammes war schon bei der nächsten Gruppe Jungsauen das Duldungsverhalten optimal, so dass fast alle zur Besamung anstehenden Jungsauen gut „standen“ und auch belegt werden konnten.

Fazit: Durch eine optimale Fütterung mit Erfolgskontrolle mittels Rückenspeckmessung, sowie einer systematischen, dem Zyklus der Sau angepassten Jungsaueneingliederung, wird das Rauscheverhalten der Jungsauen unterstützt und gefördert. Dadurch können optimale Fruchtbarkeitsergebnisse von Anfang an realisiert werden.